Von NB 661 bis VV 214
Licht ins Dunkel bei Pflanzenschutzauflagen

Im Pflanzenschutz gibt es unterschiedliche Auflagen, zum Beispiel um Oberflächengewässer, Nicht-Ziel-Flächen oder Bienen zu schützen. Das AELF Uffenheim hat wesentliche Informationen dazu zusammengefasst.

Bevor Sie Pflanzenschutzmittel (PSM) anwenden, empfehlen wir in jedem Fall, die Gebrauchsanleitung genau zu lesen und zu beachten. Generell sollten PSM nur auf landwirtschaftlich, gärtnerisch oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen eingesetzt werden.

Unser Rat für die Praxis:

  • Pflanzenschutzspritze mit abdriftmindernden Düsen ausrüsten (mind. 75 %, besser 90 %)
  • PSM-Wahl ausrichten nach
    • Anwendungsgebiet und Schaderreger
    • Anwendungsbestimmungen (Abstandsauflagen)

Auflagen zum Schutz der Oberflächengewässer

"Periodisch wasserführende" Gräben
Oberflächengewässer sind Bäche, Flüsse, Teiche, Seen sowie "periodisch wasserführende" Gräben. "Periodisch“ bedeutet regelmäßig. Merkmale sind die mit typischer Wasser-Vegetation bewachsene (Schilf) Grabensohle und das Gewässerbett, das auch ohne aktuelle Wasserführung erkennbar ist. Zudem fällt der Graben im Sommer meist trocken. Für die Praxis bedeutet dies: In jedem Fall sind die Gewässer-Abstandsauflagen einzuhalten.
"Nur gelegentlich wasserführende" Gräben
Von Gewässer-Abstandsauflagen nicht betroffen sind "nur gelegentlich wasserführende" Gräben. "Nur gelegentlich" bedeutet selten oder unregelmäßig: Die Grabensohle ist mit typischen Grünlandpflanzen bewachsen (Gräser, Brennnesseln), ohne Wasser ist kein typisches Gewässerbett erkennbar und der Graben führt die meiste Zeit des Jahres kein Wasser.
Periodisch wasserführendes Oberflächengewässer

Periodisch
wasserführend

Straßengraben

Nur gelegentlich
wasserführend

Gewässer-Abstandsauflagen:

  • Auch ohne Gewässer-Abstandsauflage gilt: keine Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (PSM) außerhalb der Bewirtschaftungsgrenze
  • Gewässer-Abstandsauflagen gelten immer, auch wenn z. B. ein Weg zwischen Behandlungsfläche und Gewässer liegt
  • Abstand wird stets ab der Böschungs-Oberkante gemessen
  • Auflagen sind abhängig vom jeweiligen PSM

Vorgegebene Abstände

Seit dem Jahr 2002 sind Gewässerabstände abhängig von verlustmindernder Technik/Düsen (50 %, 75 % oder 90 % Abdriftminderung) festgelegt. Gewässer-Abstandsauflagen und der einzuhaltende Gewässerabstand sind der Gebrauchsanleitung zu entnehmen.
Wird in der Auflage anstatt einer konkreten Zahl als Abstand in Meter nur ein "*" angegeben, so gilt der "nach Länderrecht vorgeschriebene Mindestabstand zu Oberflächengewässern". Ein solcher ist in Bayern nicht festgelegt, der Abstand beträgt somit 0 Meter.
Die jeweilige Abdrift-Minderungsklasse muss nur auf den ersten 20 Metern neben dem Gewässer bzw. neben dem unbehandelten Streifen eingehalten werden.

Gewässerabstände beim PSM Calaris:

  • NW 605 – reduzierte Abstände beim Einsatz verlustmindernder Technik: 50 %: 5 m; 75 %: 5 m; 90 %: * (= in Bayern 0 Meter)
  • NW 606 – „starrer“ Abstand bei Verzicht auf den Einsatz verlustmindernder Technik: 10 Meter
Von der Zulassungsbehörde festgesetzte Anwendungsbestimmungen

Gewässerabstände Calaris

Hangneigungsauflagen

Abhängig von der Hangneigung neben einem Oberflächengewässer sind immer häufiger weitere Abstandsauflagen einzuhalten. Diese Auflagen greifen ab einer Hangneigung von 2 bzw. 4 % zum Gewässer (2 bzw. 4 Meter auf 100 Meter Länge). Entscheidend ist die Hangneigung auf den ersten 100 Metern neben einem Gewässer, ausgehend von der Böschungs-Oberkante. Hangneigungs-Auflagen gelten immer, auch wenn z. B. ein Weg oder ein fremdes Feld zwischen Behandlungsfläche und Gewässer liegt.

Hangneigungsauflage beim PSM Calaris: NG 402 – gültig ab einer Hangneigung von 2 % zum Gewässer

  • Ohne vorhandenen, 10 Meter breiten Schutzstreifen kann die gesamte Fläche nicht behandelt werden.
  • Der Schutzstreifen kann eine andere oder auch die zu behandelnde Kultur sein, wenn diese bereits einen geschlossenen Bewuchs aufweist (sicher nicht vor EC 29). Dieser Streifen darf jedoch nicht mit behandelt werden.
  • Die Auflage entfällt komplett, wenn die Kultur in Direktsaat (Saat direkt in die unbearbeitete Fläche der Vorfrucht) oder in Mulchsaat (Saat in eingearbeitete Zwischenfrucht oder Strohreste, bei jeweils mind. 30 % Bodenbedeckung zum Zeitpunkt der Anwendung) bestellt wurde. In der Praxis kommt die Ausnahme "Mulchsaat" selten zum Tragen.
Hangneigungs-Auflagen Calaris: Von der Zulassungsbehörde festgesetzte Anwendungsbestimmungen

Hangneigungs-Auflagen Calaris

30 % Bodenbedeckung: Links Senf, rechts Stroh

30 % Bodenbedeckung

Auflagen zum Schutz von Nicht-Ziel-Flächen

NT-Auflagen schützen Nicht-Zielorganismen (NT). Nicht-Ziel-Flächen sind "terrestrische Biozönosen" (Flora und Fauna), zu denen ein Abstand gemäß der NT-Auflage eingehalten werden muss. Nicht-Ziel-Flächen sind zum Beispiel:
  • Hecken mit einer Breite von mindestens 3 Metern
  • Feldgehölze, Wald
  • (nicht genutzte) Grünstreifen und Feldraine mit mindestens 3 Metern Breite
  • Gewässer und deren Uferstreifen mit mindestens 3 Metern Breite
  • Biotope

Ist eine Fläche keine Nicht-Ziel-Fläche, muss kein Abstand gemäß NT-Auflage eingehalten werden. Keine Nicht-Ziel-Flächen sind:

  • Landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Flächen
  • Straßen, Wege und Plätze
  • Hecken, Feldraine, Gewässer etc. < 3 m
NT-Auflagen müssen außerdem nicht eingehalten werden, wenn das PSM mit tragbaren Geräten (Rückenspritze) ausgebracht wird oder wenn zwischen der zu behandelnden Fläche und der Nicht-Ziel-Fläche z. B. ein Weg oder ein schmaler Streifen mit einer anderen Kultur liegt (Nicht-Ziel-Fläche muss direkt an die zu behandelnde Fläche angrenzen).
Weitere Ausnahmen hängen von der jeweiligen NT-Auflage ab.
Behandlung Randstreifen
Die Behandlung des 20 Meter breiten Randstreifens ist nur möglich mit 50 bzw. 75 bzw. 90 % abdriftmindernden Düsen. Die Auflagen NT 101, NT 102, NT 103 gelten nicht in "Gebieten mit ausreichend Kleinstrukturen".
5 Meter breiter Randstreifen
Zusätzlich darf ein 5 Meter breiter Randstreifen nicht behandelt werden - diese Vorgabe entfällt in "Gebieten mit ausreichend Kleinstrukturen" oder neben Hecken, Feldgehölzen o. ä., die auf ehemals landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Flächen angelegt wurden.
Gebiete mit ausreichend Kleinstrukturen
Im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim weisen derzeit fast alle Gemeinden einen ausreichenden Anteil an Kleinstrukturen auf, mit Ausnahme folgender Gemeinden:
Gollhofen, Hemmersheim, Ippesheim, Oberickelsheim, Simmershofen und Uffenheim.

Verzeichnis der regionalen Kleinstrukturanteile des Landes Bayern auf Gemeindebasis (PDF) - Julius Kühn-Institut Externer Link

Auflagen zum Schutz von Bienen

Gefährdung von Bienen durch

  • Einsatz bienengefährlicher PSM
  • PSM-Anwendung in Beständen mit blühenden Kulturpflanzen oder Unkräutern (Kartoffel- und Hopfenblüte wird von Bienen nicht beflogen)
  • PSM-Anwendung in Beständen mit von Blattläusen ausgeschiedenem "Honigtau"
  • Aussaat von mit Insektiziden behandeltem Saatgut (Abrieb und Abdrift)
  • Überkonzentration von Spritzbrühe

Die Bienenschutz-Verordnung regelt Kennzeichnung von PSM:

  • NB 661 – bienengefährlich (B 1)
  • NB 662 – bienengefährlich, außer bei Anwendung nach dem täglichen Bienenflug bis 23 Uhr (B 2)
  • NB 663 – bei zulassungsgemäßer Anwendung nicht bienengefährlich (B 3)
  • NB 664 – nicht bienengefährlich (B 4)
Bitte beachten Sie:
Die Einstufung der Bienengefährlichkeit kann sich durch Mischung mit anderen PSM ändern.

Vorsorgender Bienenschutz:

  • Behandlung blühender Bestände möglichst vermeiden; falls doch nötig, dann abends möglichst spät
  • In blühenden Beständen bzw. in Beständen mit blühenden Unkräutern oder mit „Honigtau“ nur bienenungefährliche PSM verwenden
  • Verhindern von Abdrift

Beispiele für sonstige Pflanzenschutz-Auflagen

Herbizide mit dem Wirkstoff Bentazon (z. B. Basagran, Basagran DP, Artett):

  • NG 407: "Keine Anwendung auf den Bodenarten reiner Sand, schwach schluffiger Sand und schwach toniger Sand."
  • NG 315: "Keine Anwendung vor dem 15. April eines Kalenderjahres."
Herbizide mit dem Wirkstoff Chloridazon (z. B. Rebell Ultra):
NG 415: "Keine Anwendung auf Bodenartgruppen 0 bis 3 gem. LUFA-Klassifizierung mit den Bezeichnungen flachgründiger Sand (S), Sand (S), lehmiger Sand (lS), sandiger Schluff (sU), stark sandiger Lehm (ssL) und lehmiger Schluff (lU)."
Herbizide mit dem Wirkstoff Glyphosat (z. B. Glyfos, Roundup, Clinic) bei Spätanwendungen in Getreide (Sikkation):
WA 700: "Eine Anwendung ist nur auf Teilflächen erlaubt, auf denen aufgrund von Unkrautdurchwuchs in lagernden Beständen oder von Zwiewuchs in lagernden oder stehenden Beständen eine Beerntung nicht möglich ist."
Insektizid-Beizen in Mais und Zuckerrüben (z. B. Mesurol flüssig, Poncho Beta, Janus):
NH 681: "Keine Ausbringung des behandelten Saatgutes bei Wind mit Geschwindigkeiten über 5 m/s."

Herbizide mit dem Wirkstoff Clomazone (z. B. Centium 36 CS, Nimbus CS, Colzor Trio):

  • NT 127: "Die Anwendung des Mittels darf ausschließlich zwischen 18 Uhr abends und 9 Uhr morgens erfolgen, wenn Tageshöchsttemperaturen von mehr als 20°C Lufttemperatur vorhergesagt sind. Wenn Tageshöchsttemperaturen von über 25°C vorhergesagt sind, darf das Mittel nicht angewendet werden."
  • Bei Anwendung in Winterraps zusätzlich:
    • NT 146: "Die Fahrgeschwindigkeit bei der Ausbringung darf 7,5 km/h nicht überschreiten."
    • NT 145: "Das Mittel ist mit einem Wasseraufwand von mindestens 300 l/ha auszubringen. Die Anwendung des Mittels muss mit einem Gerät erfolgen, das in das Verzeichnis ‚Verlustmindernde Geräte‘ vom 14. Oktober 1993 (Bundesanzeiger Nr. 205, S. 9780) in der jeweils geltenden Fassung, mindestens in die Abdriftminderungsklasse 90 % eingetragen ist. Abweichend von den Vorgaben im Verzeichnis ‚Verlustmindernde Geräte‘ sind die Verwendungsbestimmungen auf der gesamten zu behandelnden Fläche einzuhalten."
    • u. v. m.

Herbizide mit den Wirkstoffen Pendimethalin oder Prosulfocarb (z. B. Boxer, Malibu, Picona, Stomp Aqua, Trinity):

  • NT 145: „Das Mittel ist mit einem Wasseraufwand von mindestens 300 l/ha auszubringen. Die Anwendung des Mittels muss mit einem Gerät erfolgen, das in das Verzeichnis ‚Verlustmindernde Geräte‘ vom 14. Oktober 1993 (Bundesanzeiger Nr. 205, S. 9780) in der jeweils geltenden Fassung, mindestens in die Abdriftminderungsklasse 90 % eingetragen ist. Abweichend von den Vorgaben im Verzeichnis ‚Verlustmindernde Geräte‘ sind die Verwendungsbestimmungen auf der gesamten zu behandelnden Fläche einzuhalten.“
  • NT 146: „Die Fahrgeschwindigkeit bei der Ausbringung darf 7,5 km/h nicht überschreiten.“
  • NT 170: „Die Windgeschwindigkeit darf bei der Ausbringung des Mittels 3 m/s nicht überschreiten

Immer häufiger werden Begrenzungen von Wirkstoffmengen/ha in einem bestimmten Zeitraum oder von Anwendungshäufigkeiten bestimmter Wirkstoffe vorgeschrieben, zum Beispiel bei:

  • Glyphosat (z. B. Glyfos, Roundup, Clinic): mind. 40 Tage Abstand zwischen 2 Behandlungen, wenn die Aufwandmenge beider Behandlungen zusammen 2,9 kg Glyphosat pro ha überschreitet
  • Nicosulfuron (z. B. Milagro, Samson, Kelvin), Aminopyralid (z. B. Runway) und Clopyralid (z. B. Runway): Anwendung max. jedes 2. Jahr